POLY 

Produzentengalerie e.V.

 

Zu unserer Ausstellung sind Sie herzlich eingeladen:

Besirat Tesfay
Installation

Ausstellung:
12.- 27. Januar 2007

Eröffnung:
Freitag, 12. Januar 2007
ab 20 Uhr


Öffnungszeiten:

Mi. - Fr. 18 - 21 Uhr
Sa. 15 - 18 Uhr

sowie nach Vereinbarung:
0176 20 99 44 00

Poly
Produzentengalerie e.V.
Viktoriastrasse 9
D-76133 Karlsruhe
Germany

galeriepoly@web.de

 
   


Besirat Tesfay geb. 1972 in Asmara, Eritrea
aufgewachsen in Ulm
1994-1999 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe bei Helmut Dorner
lebt und arbeitet seit 2000 in Köln

 

Zu meinen Arbeiten
(Besirat Tesfay)

Durch Auseinandersetzung mit Dingen, die mein Interesse oft zuerst über das Visuelle wecken, entstehen Zeichnungen, Videos und Installationen. Am Anfang aller meiner Arbeiten suche ich oder begegnen mir Zeichen im Alltäglichen, hinter denen sich "mehr" zu verbergen scheint. Das kann mein Sieb im Licht, eine Landschaft oder eine Regung im Inneren sein, die mir etwas über die Welt "offenbaren".

Meine Zeichnungen sind innere Bilder, die mich nicht loslassen, manche meiner Videoarbeiten haben ihren Anfang in einer Filmidee, die ich nicht weiterverfolgt habe oder folgen einem Experiment mit meiner Videokamera...

Das Medium spielt dabei eine sehr wichtige Rolle:
Bei der Handhabung der Medien vermische oder breche ich Tradiertes oder als innovativ Geltendes auf eine sorgfaeltige aber "un-cleanische" Art. So mache ich mir Raum, um mich mir adaequat kuenstlerisch ausdruecken zu koennen, trotzdem vieles in der Kunst schon da war.
Dabei ist es mir wichtig, Formalismus und Illustration als zwei extreme Pole und zu vermeiden.

 

Innere Bilder digital
(Text von Markus Kilian zu den Zeichnungen von Besirat Tesfay, Köln 2006)

Mit der Welt der digitalen Bildmanipulation und -produktion und der Internet-Technologien beschäftigt sich Besirat Tesfay schon sehr lange und intensiv. Doch in ihren mit der Maus gezeichneten Bildern findet man nicht die gewohnte High-Tech-Ästhetik der Computer-Kunst.
Virtuelle Landschaften, gerenderte Konstruktionen oder manipulierte Fotos interessieren sie in diesem Zusammenhang nicht. Die Künstlerin greift sich einige wenige Aspekte der Bildbearbeitungssoftware und Hardware heraus und verzichtet auf arrivierte Anwendungen:
Besirat Tesfay benutzt die Maus als eine Art verlängerten Zeichenstift, mit dem sie Flächen und Striche aus Pixeln mit Farben des digitalen Farbspektrums auf ein digitales „weißes Blatt“ aufbringt. Sie schreibt im Inneren gespeicherte Bilder digital auf die Festplatte des Computers und überträgt diese über einen Tintenstrahldrucker mechanisch auf den Bildträger.

In ihrem Zeichenduktus verbinden sich die Dynamik der Handbewegung und der Widerstand des Mediums und führen zu einer eigenen Bildsprache, die auf den ersten Blick an Comic-Zeichnungen denken lässt. Die zum Teil präzisen Details jedoch und der behutsame Umgang mit Licht und Farben gehen weit über die narrative Bildsprache von Comics hinaus.

Manche Zeichnungen wirken skizzenhaft, andere scheinen das Ergebnis eines langen Entstehungsprozesses zu sein, in dem sich Linien und Flächen immer weiter verdichten, überlagern und vertiefen. Dem Licht kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Eine Häuserrückseite wird durch eine Zimmerlampe von innen illuminiert, Kugeln im Baum strahlen oder gleißendes Gegenlicht durchleuchtet eine grüne Gießkanne. Kontraste werden fast malerisch behandelt und gleichzeitig durch gröbere pixelige Arbeitsspuren gebrochen.

Die Motive erwachsen aus der Erinnerung der Künstlerin. Sie zeigen Situationen ihres Lebensumfelds, die sich ihr eingeprägt haben. Flüchtige Augenblicke aus Zugfahrten, ein merk-würdiger Blick am Baggersee oder eben Momente der Ruhe und des Innehaltens notiert sie als Lebensmomente, die sie aus dem Alltäglichen hervortreten lässt.

Szenen aus der eigenen Kindheit, Erinnerung an eine spezifische Filmeinstellung oder an die Arbeiten von Felix Gonzales-Torres lassen die Dimensionen der Erinnerung nur erahnen, während die Selbstbildnisse neben ikonegraphischen Hinweisen wie etwa bei der „Badenden“ vielschichtige Bedeutungsebenen andeuten, ohne diese allein in den Vordergrund zu stellen.